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Für manche ist das Bemalen von Figuren ein Moment der Ruhe nach einem langen Tag, für andere eine Möglichkeit, Brettspielen oder Wargaming einen persönlichen Stil zu verleihen. Schon mit ein paar Farben kann sich selbst eine gewöhnliche Plastikfigur in einen Helden verwandeln, den man sich gerne ansieht. Manche bemalen nur ein paar Miniaturen für ein Brettspiel, andere stürzen sich gleich auf eine ganze Armee.

In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf alles, was ihr zum Bemalen benötigt - von Pinseln und Farben über Tipps zu verschiedenen Techniken bis hin zur Vorbereitung der Figuren und dem Primer. Egal, ob ihr einen einzelnen Helden oder eine ganze Armee bemalen möchtet, hier findet ihr Inspiration für den Einstieg.




Was werdet ihr brauchen?

Pinsel

Pinsel sind das A und O und ohne sie kommt kein Miniaturmaler aus. Am besten beginnt man mit zwei oder drei verschiedenen Größen bzw. Formen: einen kleineren für Details, einen mittleren für normale Flächen und einen größeren, flachen Pinsel für Techniken wie Trockenbürsten (Drybrush). Grundsätzlich unterscheidet man drei Arten von Pinseln: Naturpinsel, Pinsel aus Tierhaaren und synthetische Pinsel. Naturpinsel haben oft eine bessere Spitze und eignen sich daher besser für detailliertes Bemalen. Synthetische Pinsel sind günstiger, halten die Spitze schlechter, sind dafür aber robuster - ideal für Drybrush, Shades, Washes und Ölfarben. Es gibt Hunderte von Pinseltypen; mit der Zeit findet ihr heraus, welch euch am besten liegen, und vielleicht greift ihr sogar zu unkonventionellen Werkzeugen wie Make-up-Pinseln oder Küchenschwämmen.


Farben

Am häufigsten werden Acrylfarben verwendet, da sie sich leicht mit Wasser verdünnen lassen, schnell trocknen und gut decken. Jede Marke hat leicht unterschiedliche Eigenschaften, das Prinzip ist jedoch ähnlich. Citadel, Vallejo, AK Interactive oder Army Painter gehören zu den meistgenutzten Marken und bieten sowohl Basisfarbtöne als auch Spezialfarben für unterschiedliche Effekte. Gerade Farben von Citadel führen wir in unserem Sortiment in großer Auswahl - sie sind ideal für Warhammer-Spieler, da ihre Namen konkreten Armeen entsprechen, von denen sie inspiriert sind.

Acrylfarben werden von jeder Marke in unterschiedliche Typen unterteilt, die jeweils eigene Bezeichnungen haben. Hier beschreiben wir die Farbtypen von Citadel:

  • Base Grundfarbe, dickflüssig und gut deckend, daher ideal für größere Flächen auf der Figur
  • Layer etwas dünnflüssiger als Base, verwendet zum Übermalen von Base-Farben, Details, Highlights sowie für kleinere Flächen
  • Shade sehr dünnflüssige Farbe mit geringer Deckkraft, die sich in Vertiefungen der Figur sammelt und Schatten erzeugt
  • Contrast Base und Shade in einem; die Farbe ist dünnflüssig, deckt relativ gut, sammelt sich jedoch in Vertiefungen und eignet sich gut für schnelles Bemalen
  • Dry wie der Name schon andeutet, für die Drybrush-Technik gemacht; eine sehr trockene Farbe, die nur minimal am Pinsel haftet
  • Air Farben, verdünnt für die Verwendung in Airbrush-Pistolen - eher für Fortgeschrittene
  • Technical Farben mit unterschiedlichen Texturen oder Effekten auf der Figur - Korrosion, Blut, Schlamm usw.
  • Sprays Farben in der Spraydose, meist Primer, also Grundierung für weitere Farbschichten auf der Figur

Neben Acrylfarben können auch viele andere Farbtypen verwendet werden. Beliebt sind z.B. Ölfarben, die sich dank ihrer Eigenschaften für das Erzeugen verschiedener Effekte eignen, deren Verarbeitung jedoch anspruchsvoller ist. 


Weiteres Zubehör

Eine Palette ist zum Bemalen mit jeder Art von Farbe notwendig. Auf ihr können Farben gemischt und verdünnt werden. Eine Standardpalette könnt ihr in jedem Künstlerbedarfgeschäft kaufen, und wenn es noch günstiger sein soll, reicht auch ein Stück glänzender Karton. Am beliebtesten beim Bemalen von Figuren ist jedoch die Nasspalette. Ein mit Wasser getränkter Schwamm, auf dem sich Backpapier befindet. Dieses lässt Feuchtigkeit leicht durch, sodass die Farben nicht austrocknen und ein angemischter Farbton sogar mehrere Tage lang haltbar bleibt. Eine Silikonpalette hingegen ist leicht zu reinigen und eignet sich für die Arbeit mit kleineren Farbmengen oder auf Reisen.

Neben der Ausrüstung zum Bemalen benötigt ihr - insbesondere im Wargaming-Bereich - häufig auch Werkzeuge zum Zusammenbau der Figuren. Zange, Feile, Plastikkleber, eventuell Bohrer, Skalpell und Sekundenkleber bilden die Grundausstattung jedes Modellbauers.


Tipps für den Anfang

Verdünnen von Farben

Das Verdünnen von Farben ist absolut grundlegend. Eine zu dicke Farbschicht kann die Details der Figur leicht verdecken. Daher empfiehlt es sich, dickflüssigere Farben wie Base und Layer auf der Palette mit Wasser zu mischen. Das Mischverhältnis kann variieren, und es kann Monate dauern, bis man ein gutes Gefühl dafür entwickelt. Allgemein gilt, dass die Farbe in ihrer Konsistenz an geschmolzenes Eis bis hin zu Milch erinnern sollte. Solche dünnen Schichten muss man gelegentlich mehrfach auf die Figur auftragen, z.B. 3-4 Mal - im Gegensatz zu einer einzigen dicken Schicht bleiben dabei jedoch alle Details auf der Miniatur erhalten.


Farbtheorie

Wenn euch Farben nichts sagen, gibt es nichts Besseres, als sich an den Farben der Figur aus der Verpackung zu orientieren. Möchtet ihr jedoch eine originelle Figur gestalten, empfehlen wir, sich mit der Farbtheorie und deren Wirkung auf das menschliche Auge zu beschäftigen. Darauf gehen wir hier nicht im Detail ein, aber im Internet findet ihr zahlreiche Videos und Tutorials, die dieses Thema ausführlich erklären.



(Quelle: Love Acrylic Painting)


Layering von Farben

Das Schichten von Farben verleiht dem Modell Tiefe. Man beginnt mit einer dunkleren Grundschicht, auf die nach und nach hellere Farbtöne aufgetragen werden. Am Ende folgt eine feine Kantenbetonung, das sogenannte Highlight. Dadurch entsteht der Effekt von Lichtreflexen und Schatten auf der Figur - dank dem wirkt das Modell plastischer.


Zusammenbau und Vorbereitung der Figur

Die meisten Figuren benötigen vor dem Bemalen etwas Pflege. Bei Brettspielen sind die Modelle meist direkt aus der Verpackung einsatzbereit, manchmal hilft jedoch ein Abwaschen mit Seifenwasser, damit die Farbe besser haftet. Häufig ist auch eine Feile nützlich, um scharfe Kanten vom Druck zu glätten. Bei Wargaming-Figuren werden diese oft auf einem sog. Sprue geliefert, also einem Kunststoffrahmen, aus dem die Teile herausgetrennt, abgeschliffen und zusammengeklebt werden. Danach ist die Figur bereit zum Bemalen. 

(Figur auf den Fotos ist Dark Apostle, Plastikkleber Citadel)


Immer mit Primer beginnen

Primer ist eine Grundierung, die dafür sorgt, dass die Farben gut auf der Figur haften und nich abblättern. Er wird als Spray, mit der Airbrush (gelegentlich auch mit dem Pinsel) aufgetragen, und je nach gewünschtem Ergebnis kann man zwischen verschiedenen Farbtönen wählen. Schwarz eignet sich für dunklere Modelle, Weiß bringt helle Farben besser zur Geltung und Grau stellt einen Kompromiss zwischen beiden dar.

Sprüht die Figur immer in einem gut belüfteten Raum, tragt eine Atemschutzmaske und verwendet geeignete Schutzausrüstung. Lest vor der Anwendung immer die Anleitung auf der Sprühdose. Idealerweise sprüht ihr die Figur aus 8 verschiedenen Winkeln und aus einer Entfernung von ca. 20 cm. Beginnt immer in einem Winkel von 45° (also nicht direkt vorn an der Figur) sowie in einem Winkel von 45° von unten und dann von oben. Nachdem ihr das Modell so grundiert habt, könnt ihr die Figur betrachten und eventuelle Stellen, an denen der Kunststoff noch durchscheint (z.B. unter dem Umhang) nachsprühen. Sprüht stets in kurzen Stößen und in Bewegung, damit keine zu dicke Farbschicht entsteht, die die Details verdeckt.

(Figur auf den Fotos ist Dark Apostle, sprej Chaos Black)


Methoden/Techniken

Standardmethode

Der klassische Bemalungsprozess beginnt mit den Grundfarben Base (ggf. Layer), mit denen die Flächen der Figur bedeckt werden. Danach kommt Shadezum Einsatz. Dieser kann entweder auf die gesamte Figur aufgetragen werden, sodass die Farbe in die Vertiefungen läuft, oder gezielt nur dort, wo Schatten entstehen sollen. Darauf folgt das Highlight, also das Auftragen einer helleren Farbe auf Kanten und Stellen, an denen sich Licht spiegeln würde. Zur Betonung kann auch die Drybrush-Technik eingesetzt werden, auf die wir weiter unten noch eingehen. Zum Schluss werden die Details ausgemalt - und fertig ist die Figur. Diese Methode nimmt in der Regel am meisten Zeit in Anspruch, ergibt aber oft das beste Ergebnis, insbesondere in den Händen erfahrener Maler.


(Figuren auf den Fotos sind Flawless Blades, Spray Chaos Black, Emperor´s Children, Fulgrim Pink, Abaddon Black, Leadbelcher, Corax White, Retributor Armour, Waprstone Glow, Skarsnik Green, Druchii Violet, Reikland Fleshshade, Nuln Oil, Sigvald Burgundy)


Contrast-Methode

Contrast Farben funktionieren anders als klassische Base und Layer. Sie fließen von selbst in Vertiefungen und erzeugen natürliche Schatten und Lichter. Dadurch vereinen sie Base, Shade und manchmal sogar Layer in einem einzigen Schritt. So lässt sich eine ganze Armee schneller bemalen und dennoch ein wirkungsvoller Look erzielen. Häufig werden sie z.B. für Haut verwendet, und es ist auch üblich, sie auf einer Figur mit der Standardmethode zu kombinieren.


(Figur auf den Fotos ist Termagant, Spray White Scar, Guilliman Flesh, Magos Purple, Contrast Medium, Talassar Blue, Shyish Purple, Volupus Pink)


Drybrush-Methode

Die Drybrush-Technik wird vor allem für Highlights verwendet. Mit einem breiten Pinsel nimmt man Farbe auf (es können auch spezielle Dry-Farben genutzt werden) und wischt sie an einem Tuch ab, bis der Pinsel kaum noch Farbe abgibt. Anschließend trägt man die Farbe mit leichten Pinselstrichen auf Kanten oder Flächen der Figur auf. Dadurch werden erhabene Teile betont und dem Modell mehr Plastizität verliehen, ohne viel Zeit zu benötigen.


(Figur auf den Fotos ist aus dem Brettspiel Cthulhu: Death May Die – Furcht vor dem Unbekannten, Spray Chaos Black, Mechanicus Standard Grey, Dawnstone)


Slapchop-Methode

Slapchop kombiniert Primer, Drybrush und Kontrastfarben und gehört zu den schnellsten Wegen, um gleich Dutzende Figuren auf einmal zu bemalen. Zunächst wird die Figur mit schwarzem Primer grundiert, anschließend mindestens dreimal mit Drybrush übermalt: zuerst mit dunkelgrau über die gesamte Fläche, dann mit hellerem grau mit weniger Druck und schließlich mit weiß auf die erhabensten Stellen. Zum Abschluss werden die Contrast-Farben aufgetragen. Das Ergebnis ist ein Modell mit Schatten und Tiefe, das plastisch wirkt - ganz ohne großen Zeitaufwand.


(Figur auf den Fotos ist aus dem Brettspiel Cthulhu: Death May Die – Furcht vor dem Unbekannten, Spray Chaos Black, Mechanicus Standard Grey, Dawnstone, Administratum Grey, Ulthuan Grey, Corax White, Dreadful Visage, Sigvald Burgundy, Volupus Pink, Emperor´s Children)


Weitere Methoden

Fortgeschrittene Maler, die ihrem Hobby besonders verfallen sind, greifen häufig zur Airbrush. Sie ermöglicht das schnelle Auftragen von Farbe auf große Flächen sowie das Erzeugen sanfter Übergänge und Schattierungen.

Im Gegensatz dazu ist ein gewöhnlicher Küchenschwamm eine einfache und kostengünstige Methode, um realistische Abnutzungsspuren oder Schmutzflecken zu erzeugen - ideal z.B. für Rüstungen oder metallische Oberflächen. 


Sockel

Der Sockel wird oft unterschätzt, dabei beeinflusst er den Gesamteindruck der Figur entscheidend. Wenn ihr etwas Einfaches möchtet, reichen bereits Sand, Kieselsteine oder Grasstreu mit Kleber aus, und selbst eine schlichte Figur wirkt wie Teil einer größeren Szene. Viele Farbhersteller bieten auch eigene Strukturfarben an (z.B. Citadel Technical), mit denen sich auf dem Sockel verschiedene Effekte wie etwa schlammiger Untergrund erzeugen lassen.


(Figur auf diesen Fotos ist Termagant, Spray White Scar, Guilliman Flesh, Magos Purple, Contrast Medium, Talassar Blue, Shyish Purple, Volupus Pink, Sockel: Dawnstone, Leadbelcher, Armageddon Dust, Agrax Earthshade, Abaddon Black, Dryad Bark, Gras von GSW)


Fazit

Das Bemalen von Figuren soll vor allem Spaß machen. Wenn ihr eine Methode gefunden habt, die für euch funktioniert, bleibt dabei und teilt sie ruhig mit anderen. Jede Figur ist ein Schritt zu besseren Fähigkeiten. Ihr müsst keine Angst haben, dass das Ergebnis nicht perfekt wird. Niemand hat mit meisterhaften Miniaturen angefangen – und genau deshalb ist es schön zu beobachten, wie man sich mit jeder weiteren Figur weiterentwickelt. Mit der Zeit werdet ihr feststellen, dass selbst einfache Modelle einzigartig wirken können und dass die größte Belohnung nicht das perfekte Ergebnis ist, sondern der Prozess des Bemalens selbst.

Wenn wir eure Interesse geweckt haben, werft einen Blick auf unsere Website, wo ihr Farben, Pinsel und Zubehör findet.